Reinigungstechniken im Yoga

Reinigungstechniken – die Entgiftung unterstützen

Detox klingt zwar sehr modern, ist aber alles andere als eine Erfindung der Neuzeit. Diese sechs yogischen Reinigungstechniken, die „Shatkriyas“, haben sich über Jahrtausende bewährt und wurden bereits in den Veden erwähnt. Erstmals niedergeschieben hat sie Swatmarama in der Hatha Yoga Pradipika. Die Praktiken eignen perfekt zur Unterstützung der Entgiftung, was nicht nur in Fastenperioden extrem sinnvoll ist. Darüber hinaus sorgen sie dafür, dass die Energien optimal zum Fließen kommen. Sie reinigen uns sowohl auf körperlicher als auch auf geistiger Ebene und kurbeln auch die emotionale Entgiftung an. Übersetzt bedeutet der oben erwähnte Sanskritbegriff übrigens „sechs Handlungen“. Nachfolgend stelle ich sie dir vor.

Tratak – die Lichtmeditation

Hierzu entzündest du im Abstand von 1-5 Metern von dir entfernt eine Kerze. Dann nimmst du eine bequeme aufrechte Sitzhaltung ein – vorzugsweise mit gekreuzten Beinen. Schaue nun ohne mit den Augen zu zwinkern in die Flamme – solange wie für dich angenehm. Das kann zwischen 1-30 Minuten dauern. Sobald deine Augen beginnen zu tränen, schließe sie. Visualisiere jetzt die Kerze vor deinem geistigen Auge und beobachte das Nachbild. Tratak wirkt augenreinigend und konzentrationsfördernd. Es reduziert weiterhin die Müdigkeit, öffnet dein Ajna Chakra und erleichtert dir den Zugang zum Aurasehen und zur Hellsichtigkeit.

Kapalabhati – strahlender Schädel

Auch unter dem Namen Schnell-, Stoß- oder Feueratmung bekannt, dient es als eine der besten Reinigungstechniken für die Klärung und Stärkung der Lungen. In diesem Zusammenhang befreit es die Alveolen von Ablagerungen und steigert den Sauerstoffgehalt im Blut. Ich praktiziere Kapalabhati jeden Morgen nach dem Aufstehen über mindestens 3 Runden. Genauere Informationen zur exakten Durchführung und Wirkungsweise findest du hier.

Neti – die Nasenreinigung

Diese Technik kannst du in zwei Varianten durchführen. Die erste wende ich ebenfalls täglich nach dem Aufstehen an, während die zweite ein wenig befremdlich wirkt. Neti eignet sich hervorragend zur Vorbeugung und Linderung von Erkältungsbeschwerden. Hier empfehle ich dir sie mindestens 3x täglich zu praktizieren. Auf energetischer Ebene öffnet sie das Ajna Chakra.

Jala Neti

Hier wird die Spülung mit lauwarmem Salzwasser durchgeführt. Hierzu dient mir ein sogenanntes Lota-Kännchen. Zuerst stelle ich mir die Lösung her, in dem ich ½ TL Netisalz in 120-150 ml Wasser auflöse. Die fülle ich dann ins Kännchen. Das Wasser lasse ich durch ein Nasenloch hineinfließen und halte den Kopf schief, so dass es zur anderen Seite wieder herausrinnt. Wichtig hierbei: halte den Mund leicht geöffnet, denn so verhinderst du, dass das Salzwasser in den Rachen läuft.

Lota-Kännchen zur Nasenspülung
Lota-Kännchen

Sutra Neti

Zugegeben, diese Technik ist echt ein wenig schräg. Ich selbst habe sie noch nie praktiziert, aber während meiner Yogalehrerausbildung haben es einige Teilnehmer tatsächlich versucht. Den Meisten ist sie allerdings noch nicht geglückt. „Sutra“ bedeutet übersetzt Faden. Und genau dieser wird hier zum Einsatz gebracht. Man schiebt ihn sich durch die Nase in den Rachen hinein, um ihn dann (im Idealfall) aus der Kehle wieder herauszuziehen.

Dhauti – die Magenreinigung

Aus dem Sanskrit übersetzt bedeutet der Begriff soviel wie Bach oder Quelle. Im Ayurveda bezieht er sich auf die Magenreinigung. Damit säuberst du nicht nur den gesamten Verdauungstrakt und normalisierst die Funktion der Schleimhäute, sondern reduzierst zudem ein Übermaß an Kapha. Dadurch schafft es bei allen Erkrankungen, die mit Verschleimung im Zusammenhang stehen (Asthma, Erkältung, Husten), effektiv Linderung. Hier finden zwei gängige Methoden Anwendung.

Hrid Dhauti

Diese Praktik wird als Tuchreinigung bezeichnet. Hier schluckt man eine 4x5m lange Mullbinde, um so Magen und Speiseröhre mechanisch zu reinigen. Nach Abschluss der Prozedur wird sie wieder herausgezogen. Ich selbst habe diese Technik noch nie angewendet, aber einige Teilnehmer haben sich während meiner Yogalehrerausbildung daran versucht.

Kunjar Kriya

Die sogenannte Wasserreinigung ist eine der häufigsten und effektivsten Methoden zur Magensäuberung. Zuerst stellst du eine Lösung her, indem du 1 EL Salz in 1-2 Litern Wasser auflöst. Diese Flüssigkeit wird dann innerhalb weniger Minuten getrunken. Danach schiebt man sich Zeige- und Mittelfinger in den Hals, um gezielt ein Erbrechen auszulösen. Ich praktiziere Kunjar Kriya relativ selten (nur während der Fastenperioden), da ich seit jeher sehr schlecht erbrechen kann. Wenn ich den Würgreflex nicht schon 2-3 Tage vorher übe, dann verbleibt die gesamte Lösung ohne den erwünschten Effekt im Magen-Darm-Trakt. Dennoch spüre ich die deutliche Effizienz der Methode und fühle mich nach Anwendung extrem befreit und wohl. ACHTUNG: diese Technik darf unter keinen Umständen bei Menschen zum Einsatz gebracht werden, die unter Magersucht bzw. Essstörungen leiden oder litten.

Nauli – die Darmwalze

Diese Kriya zur Förderung der Darmgesundheit gehört zu den kompliziertesten Reinigungstechniken. Dafür aktiviert sie am optimalsten unser Agni (Verdauungsfeuer) und sorgt für geistige Klarheit sowie emotionale Entspannung. Als gute Vorübungen kannst du Uddiyana Bandha und Agni Sara praktizieren. Zuerst beginnst du auch wie bei Uddiyana Bandha. Dann drückst du nach vollständiger Ausatmung mit leeren Lungen die geraden Bauchmuskeln nach vorn und schiebst sie abwechselnd nach links und rechts. Davon solltest du 3 Runden praktizieren.

Basti – die Enddarmreinigung

Übersetzt aus dem Sanskrit bedeutet der Begriff wörtlich Harnblase oder Unterbauch. Mithilfe dieser ayurvedischen Einlaufbehandlung kannst du gezielt Giftstoffe im Darm beseitigen und ihn auf diese Weise sanieren. Dementsprechend hilft Basti auch sehr gut gegen Obstipation (Verstopfung). Du kannst auch einen Vata-Überschuss kompensieren und die Doshas wieder ins Gleichgewicht bringen. Darüber hinaus verhilft es abgemagerten Menschen zum gesunden Gewichtsbaufbau, unterstützt die Sehkraft und gilt als Anti-Aging-Geheimtipp. Basti sollte vorzugsweise morgens oder abends durchgeführt werden bzw. bei leerem Magen. Ursprünglich wurde wie folgt vorgegangen: zuerst stellt man sich in hüfthohes Wasser bzw. einen Kräutersud und führt ein Darmrohr in den Anus ein. Mithilfe von Uddiyana Bandha und Nauli saugt man dann die Flüssigkeit in den Enddarm und verteilt sie mit Agni Sara im Dickdarm. Abschließend wird sie unter Anwendung von Uddiyana Bandha wieder herausgepresst. Am einfachsten lässt sich Basti allerdings mit einem Irrigator durchführen.

Häufigkeit der Kriyas

Wie oft sollten die Reinigungstechniken angewendet werden? Da wird dir sicherlich jeder Ayurveda-Experte andere Auskünfte geben. Generell wird empfohlen diese sechs Praktiken regelmäßig – alle 3-6 Monate – durchzuführen. Während Fastenperioden sollte man sie sogar täglich integrieren. Allerdings gilt wie immer auch hier: höre auf deinen Körper und spüre in dich hinein. Dann wirst du merken, was sich für dich stimmig anfühlt. Ich persönlich praktiziere Japa Neti, Kapalabhati, Agni Sara und Uddiyana Bandha täglich und Tratak alle 1-2 Wochen. Kunjar Kriya sowie Basti mit Irrigator übe ich während intensiver Fastenperioden aus bzw. mindestens 2x jährlich. Nauli beherrsche ich noch nicht perfekt, so dass ich mich aktuell hier noch hochtrainiere. Sutra Neti und Hrid Dhauti habe ich bisher noch nie angewandt und kann dementsprechend auch keine Empfehlungen geben oder Erfahrungen teilen.

Nebenkriyas

Zu den oben genannten sechs wichtigen Reinigungstechniken in der Hatha Yoga Pradipika gesellen sich noch zahlreiche weitere, die du auch in deinen Lebensstil integrieren kannst. Hierzu zählen beispielsweise:

  • das Abkratzen der Zunge mit einem Löffel oder Schaber
  • Gurgeln mit Salzwasser, was ich dir vor allem bei Erkältung empfehlen kann
  • das Intervallfasten
  • das Ölziehen
  • Bhramari (die Bienenatmung), die zu den acht großen Atemübungen (Ashta Maha Kumbhakas) gehört
  • Shank Prakshalana (eine der vollständigsten Reinigungstechniken im Yoga für den gesamten Verdauungstrakt, die allerdings unter professioneller Anleitung durchgeführt werden sollte)
Quellen:
Die dargelegten Informationen entstammen den Mitschriften meiner Yogalehrerausbildung bei Yoga Vidya in Bad Meinberg, meinen persönlichen Erfahrungen sowie der nachfolgenden Literatur:
  • Sivananda, S.; Vishnu-Devananda, S.; Bretz, S.; Attner, A.; Hübner, N.; Ulbricht, K.; Groh, P.: Yogalehrer/innen Handbuch, 18. Auflage, Yoga Vidya Verlag 2018
  • Bretz, S.; Schönknecht, K.; Ulbricht, K.; Stein, A.: Das große Hatha Yoga Asana Buch, 1. Auflage, Yoga Vidya Verlag 2016
  • https://www.yoga-vidya.de/shatkriya

Falls du Fragen zu den Reinigungstechniken hast, dann nutze gern die Kommentarfunktion. Wenn du bereits Erfahrungen mit Kriyas gesammelt hast und diese regelmäßig praktizierst, dann teile unbedingt deine Gedanken und Erkenntnisse.
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Über mich

Fanny Patzschke
Fanny

Ich bin Fanny, Ernährungsberaterin, Fitnesstrainerin, Apothekerin, Yogalehrerin, Buchautorin und Referentin.

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